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P.S. Krøyer: 'Det Hirschsprungske familiebillede', 1881. Den Hirschsprungske Samling

Kunst und Tabak

Heinrich und Pauline Hirschsprung. Die Geschichte der Mäzene

1902 übertrugen Pauline und Heinrich Hirschsprung ihre große Sammlung dänischer Kunst aus dem 19. Jahrhundert dem dänischen Staat. 1911 öffnete das neu errichtete Museum seine Pforten für Besucher. Doch wer waren Pauline und Heinrich Hirschsprung eigentlich?

Der Tabakfabrikant

Heinrich Hirschsprungs Familie war deutsch-jüdischer Abstammung. Der Vater, Abraham Marcus Hirschsprung, der aus Friedberg bei Frankfurt kam, gründete 1826 einen Tabakladen im Giebel des Hotels d'Angleterre am Platz Kongens Nytorv in Kopenhagen. Doch erst als die Söhne Bernhard (1834-1909) und Heinrich Hirschsprung (1836-1908) im Jahre 1859 die Firma übernahmen, entwickelte sich der Laden mit Zigarrenproduktion als Spezialgebiet zu einem modernen, aufstrebenden Unternehmen mit eigener Fabrik in der Tordenskjoldsgade – ganz im Einklang mit dem „Wirtschaftswunder“, das Kopenhagen in den 1870-80er Jahren in eine moderne Großstadt verwandelte.

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Die Brüder Hirschsprung waren geschäftstüchtig. 1870 eröffneten sie einen modernen neuen Laden in der Østergade 6, der heute noch bei einem Bummel durch die Fußgängerzone zu sehen ist, auch wenn hier kein Tabak mehr verkauft wird.

Die Heirat

1864 heiratete Heinrich Hirschsprung Pauline Jacobson (1845-1912), die aus einer wohlhabenden und sehr gläubigen jüdischen Familie stammte. Pauline war Waise und ihr Vormund wollte der Heirat nicht zustimmen. Als Kaufmann war Heinrich keine angemessene Partie für Pauline, die dem Vormund zufolge aus einem kultivierteren Umfeld kam. Als 1864 der Krieg ausbrach, musste der Vormund, der Militärarzt war, an die Front – für das junge Paar die perfekte Gelegenheit, sich in dessen Abwesenheit das Ja-Wort zu geben. Das frisch vermählte Paar ließ sich an der Ecke des Platzes Højbro Plads nieder, wo seine fünf Kinder zur Welt kamen: vier Söhne – Robert Daniel (1865-1889), Oscar Heinrich (1867-1945), Ivar Lykke (1868-1894) und Einar Aage (1869-1909) – sowie eine Tochter, Ellen Frederikke (1870-1948). Später zog die Familie in eine größere Wohnung in der Bredgade.

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Hochzeitsporträt von Pauline und Heinrich Hirschsprung.

Die Sammlung

So wie die Kinderschar wuchs auch die Kunstsammlung der Familie Hirschsprung. Der erste Kauf erfolgte 1866 und war der Beginn einer unaufhaltsamen Entwicklung. Nach und nach schloss die Familie Freundschaft mit Künstlern und Persönlichkeiten aus dem kulturellen Leben, und ihr Zuhause wurde zu einem Treffpunkt für Kunst und Musik.

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Julius Exners „Ein kleines Mädchen lässt einen alten Mann an einer Blume riechen“, ca. 1856, war das erste Gemälde, das Heinrich Hirschsprung erwarb – es sollten viele weitere folgen. Mit der Zeit entwickelte sich der Kunstgeschmack des Ehepaares und wurde von den neuen Tendenzen innerhalb der Kunst beeinflusst.

Aus Hirschsprungs Notizbuch geht hervor, dass er 1872 so richtig mit dem Sammeln von Kunst begann, auch aus früheren Jahrzehnten mit Werken von Malern des Goldenen Zeitalters wie C. W. Eckersberg und J. Th. Lundbye. Ansonsten spiegelte die Sammlung in hohem Maße Hirschsprungs eigene Zeit wider mit Werken von u. a. P. S. Krøyer, Anna Ancher, Vilhelm Hammershøi, Ejnar Nielsen und den Fünen-Malern.

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P. S. Krøyer malte 1881 die gesamte Familie Hirschsprung auf dem Balkon ihres Sommerhauses bei Svanemøllen außerhalb von Kopenhagen.

Das Porträt der Familie Hirschsprung entstand, als Krøyer gerade von einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt zurückgekehrt war. Von links nach rechts sieht man die Söhne Ivar und Aage, Vater Heinrich mit Sohn Oscar, der in das Skizzenbuch für die Porträts des Gemäldes mitschaut, den ältesten Sohn Robert mit der Zeitung und ganz rechts Ehefrau Pauline mit Tochter Ellen, die uns als einzige direkt anschaut. Nach Heinrichs Tod schenkte Pauline das Familienporträt dem Museum. Es handelte sich um ein privates Bild, das nicht für die Öffentlichkeit gedacht war, und erst sehr viel später gelangte es aus dem Direktorenbüro in die Ausstellungsräume. Es war typisch für Hirschsprung, dass er die Künstler und insbesondere Krøyer mit Bestellungsarbeiten förderte, und er besaß einen Riecher dafür, die Kunst bereits im Atelier des Künstlers aufzuspüren.

Wie die Privatsammlung in ein öffentliches Museum verwandelt wurde, erfahren Sie hier.

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Aage und Robert Hirschsprung zu Hause bei ihren Eltern in der Kopenhagener Bredgade.
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Die Familie Hirschsprung hatte häufig Besuch von Künstlern und Musikern in ihrem Sommerhaus nördlich von Kopenhagen. Hier sieht man die Gesellschaft nach einem Billardspiel im Sommer 1888. Hinter Pauline, im schwarzen Kleid sitzend, ist Tochter Ellen zu erkennen und in der Mitte der Gruppe in der Tür P. S. Krøyer.

Zu Hause bei der Familie Hirschsprung

Der Schriftsteller Svend Leopold, ein häufiger Gast bei der Familie Hirschsprung, berichtet in seinem Buch Erindringer. Fra min første forfattertid (Erinnerungen. Aus meiner ersten Autorenzeit), 1928, auf malerische Weise vom Leben in der Bredgade, wohin Hirschsprung Künstler und andere Persönlichkeiten aus dem kulturellen Leben gastfreundlich einlud:

"Das Hirschsprungsche Zuhause war wohl das schönste in Kopenhagen. All die Gemälde, die jetzt in Hirschsprungs Museum hängen, hingen damals in den hohen Räumen mit den schönen Stuckdecken, von der Decke bis zum Boden, und wenn die elektrischen Kronleuchter brannten und das Haus voller Gäste war, lag etwas Ungewöhnliches, ja direkt festlich Strahlendes über diesem reichen Zuhause, das seinesgleichen suchte ...“