Die Maler des Goldenen Zeitalters
C.W. Eckersberg und seine Schüler
Der Vater der dänischen Malerei. So wurde Christoffer Wilhelm Eckersberg immer wieder bezeichnet. Und das nicht ohne Grund, denn Eckersberg hatte einen enormen künstlerischen und pädagogischen Einfluss auf jene Künstler, die man heute mit dem Goldenen Zeitalter in Verbindung bringt. In der Sammlung Hirschsprung sind seine Werke in Raum 1 ausgestellt. Hier hat die Sammlung ihren chronologischen Ausgangspunkt, und hier sahen Heinrich Hirschsprung und seine Berater den Beginn der guten dänischen Kunst.
Eckersberg trug dazu bei, den Einsatz weiblicher Modelle und den Malunterricht an der Kunstakademie einzuführen. Hier hat er das Modell Florentine in dem Gemälde Eine nackte Frau kämmt sich vor einem Spiegel aus dem Jahr 1841 gemalt.
Bevor Eckersberg und sein Kollege J.L. Lund 1818 als Professoren an die Kunstakademie kamen, lernte man dort lediglich das Zeichnen. Den Malunterricht mussten die jungen Künstler als Privatschüler bei den Professoren oder draußen in der Stadt bei Malermeistern erhalten. Ab Ende der 1820er-Jahre wurde jedoch Malunterricht als Teil der formalen Ausbildung angeboten, wobei der Einsatz lebender Modelle im Vordergrund stand. Ab 1833 wurden auch weibliche Modelle einbezogen. Gleichzeitig widmete man sich der Freilichtmalerei und unternahm Ausflüge durch die Stadt und in den Park Dyrehaven nördlich von Kopenhagen. Auf diese Weise haben die jungen Künstler die Natur hautnah erlebt, sodass sie sie mit größerer Genauigkeit wiedergeben konnten.
Eckersberg hielt sowohl in seinen Skizzen als auch in seinem Tagebuch sorgfältig Wind und Wetter fest. An jenem Tag im Jahr 1836, an dem er das Gemälde Udsigt fra Trekroner Batteri (Blick von der Trekroner-Batterie) mit Kopenhagen in der Ferne malte, schrieb er: „Das Wetter war frisch, mit einer kräftigen Brise aus Nordwest, klar mit Zugwolken“.
Neue Methoden, neue Ziele
Bisher hatte die Kunstakademie in Kopenhagen das Ziel verfolgt, Künstler auszubilden, die sich mit denen im Ausland messen konnten, doch gegen Mitte des 19. Jahrhunderts änderte man die Strategie. Die Kunst sollte zwar weiterhin einem hohen internationalen Standard entsprechen, sollte nun jedoch in erster Linie national geprägt sein. Dieser Wunsch stand in gutem Einklang mit den Methoden, die Eckersberg und Lund an die Akademie mitbrachten. Es handelte sich um Methoden, die sie zwar im Ausland erlernt hatten, die sich jedoch auf das Naheliegende und auf das konzentrierten, was mit bloßem Auge zu erkennen war. Ihre Schüler wurden dazu angeregt, sich mit den Motiven zu beschäftigen, die sie tatsächlich studieren konnten: die Landschaft, das Stadtleben, die Familie, das Wetter – und auf diese Weise konzentrierte sich die Kunst fast automatisch auf das Dänische.
Bendz ließ oft seine Familie als Modelle posieren. Hier erhalten wir einen Einblick in eine Kopenhagener Junggesellenbude um 1829 – mitten im Goldenen Zeitalter. Bendz teilte sich die Wohnung in der Amaliegade mit zweien seiner Brüder.
Hier beginnt meine Welt
Auch wenn es für die künstlerische Ausbildung nach wie vor wichtig war, nach Italien zu reisen und die Meisterwerke der Antike und der Renaissance zu sehen, wurde in der dänischen Kunst das Lokale weitaus stärker als zuvor thematisiert. Christen Købke malte seine unmittelbare Umgebung auf der Zitadelle, Kastellet, in Kopenhagen, Wilhelm Marstrand hatte ein Auge für tragikomische Szenen, wenn ganze Familien vom Gerichtsvollzieher aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, Johan Thomas Lundbye fand seine Heimatinsel Seeland sowohl in Landschaften als auch in Detailstudien der Flora und Fauna wieder, während Wilhelm Bendz alltägliche Motive aus dem Familienleben darstellte. Indem sie sich auf das Lokale und Vertraute konzentrierte, schuf diese Generation von Malern Kunstwerke, die viele Dänen auch heute noch als ideale Veranschaulichungen der Besonderheiten der Landschaft und der Volksseele betrachten.
Es sieht ländlich aus, doch am Horizont ragen die Türme von Kopenhagen empor. Christen Købke hat in diesem Gemälde aus dem Jahr ca. 1833 die Landschaft seiner Kindheit auf dem Kastellet gemalt.