Die Symbolisten
Joakim Skovgaard: Christus führt den Räuber ins Paradies, 1890. Die Sammlung Hirschsprung.
Der Symbolismus ist der Sammelbegriff für eine kulturelle Strömung, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in Europa durchsetzte. Eine Reihe der wichtigsten dänischen Werke dieser Zeit ist in der Sammlung Hirschsprung zu finden. Künstler wie Johan Rohde, Ejnar Nielsen, Vilhelm Hammershøi und das Künstlerpaar Agnes und Harald Slott-Møller pflegten den Symbolismus, was als Reaktion auf die Moderne und den rasanten Aufschwung der Industriegesellschaft gesehen werden kann.
Harald Slott-Møller: Der Frühling, 1896. Die Sammlung Hirschsprung.
Die sinnliche, poetische Ausdrucksweise und die allegorischen Darstellungen der Symbolisten wurden zu ihrer Zeit oft als düster und bisweilen völlig unverständlich empfunden. Als Beispiel sei Harald Slott-Møllers Der Frühling (1896) genannt, in dem das junge Mädchen eben als Allegorie des Frühlings erscheint. Sie trägt eine Reihe von Frühlingssymbolen: gelbe Primeln im Haar, Veilchen und Anemonen auf dem Kleid, während sie zugleich ein junges Mädchen ist, das sich in einem Entwicklungsprozess befindet, an der Schwelle vom Kind zum Erwachsenen. Sowohl der Vordergrund als auch der Hintergrund sind ebenfalls voller Lebenszeichen: die Kätzchen auf den Weidensträuchern, die Vögel und die Feldarbeiter, die die Felder pflügen. Eine Allegorie ist daher eine Zusammenstellung verschiedener Symbole, die gemeinsam eine Geschichte ergeben.
Die Freie Ausstellung und die dänischen Symbolisten
Im Jahr 1891 wurde der Ausstellungsort Den Frie Udstilling (Die Freie Ausstellung) von einer Reihe dänischer Künstler gegründet. Die herausragendsten Persönlichkeiten waren Johan Rohde, Joakim Skovgaard, J.F. Willumsen, Vilhelm Hammershøi, Agnes und Harald Slott-Møller, Christian Mourier-Petersen und Malthe Engelsted. Das Ziel war es, eine Alternative zur zensierten Frühjahrsausstellung in Charlottenborg zu schaffen. Genau wie ihr Vorbild, der französische Salon des Refusés (Salon der Abgelehnten), war Den Frie Udstilling ein Aufbegehren gegen die Zensur im Salon des Refusés bzw. in der Charlottenborg-Ausstellung, die nach Ansicht der Abtrünnigen eine konservative Sichtweise auf die Kunst verkörperten.
Johan Rohde: Selbstporträt, ca. 1890. Die Sammlung Hirschsprung.
Die Bruderschaft der Kunstarten
Der Schriftsteller Johannes Jørgensen gründete in den 1890er-Jahren die Zeitschrift Taarnet (Der Turm), die zum Treffpunkt der Symbolisten und ihrer Anführer wurde. Der Kunsthistoriker Emil Hannover, die Künstler Svend Hammershøi, Mogens Ballin, Ludvig Find und Albert Gottschalk trugen gemeinsam mit Dichtern wie Sophus Claussen und Sophus Michäelis dazu bei. Im Taarnet hieß es unter anderem, […] dass Schönheit und Atmosphäre Vorrang vor Linien und Farben haben sollten.
Die Verehrung der Schönheit führte zu einem weit verbreiteten Interesse an Design und Kunsthandwerk, und in der Sammlung Hirschsprung lassen sich zahlreiche Beispiele dafür finden, wie die medienübergreifenden Arbeiten dänischer Künstler des späten 19. Jahrhunderts dazu beitrugen, den Kunstbegriff zu erweitern. In der Sammlung sind Beispiele für Holzschnitte, geprägte Emaille-Embleme, Tischlerarbeiten und Silberarbeiten zu sehen.
Taarnet orientierte sich weitgehend am literarischen französischen Symbolismus und an Dichtern wie Charles Baudelaire, Arthur Rimbaud und Stéphanie Mallarmé. Auch die bildenden Künstler richteten ihren Blick auf Frankreich. Den Frie Udstilling präsentierte 1893 beispielsweise 50 Werke von Paul Gauguin und 29 Werke von Vincent van Gogh.
Die Verehrung der Schönheit führte zu einem weit verbreiteten Interesse an Design und Kunsthandwerk, und in der Sammlung Hirschsprung lassen sich zahlreiche Beispiele dafür finden, wie die medienübergreifenden Arbeiten dänischer Künstler des späten 19. Jahrhunderts dazu beitrugen, den Kunstbegriff zu erweitern. In der Sammlung sind Beispiele für Holzschnitte, geprägte Emaille-Embleme, Tischlerarbeiten und Silberarbeiten zu sehen.
Taarnet orientierte sich weitgehend am literarischen französischen Symbolismus und an Dichtern wie Charles Baudelaire, Arthur Rimbaud und Stéphanie Mallarmé. Auch die bildenden Künstler richteten ihren Blick auf Frankreich. Den Frie Udstilling präsentierte 1893 beispielsweise 50 Werke von Paul Gauguin und 29 Werke von Vincent van Gogh.
Eines der Skizzenbücher von Johan Rohde. Die Sammlung Hirschsprung.
Inspiration von außen
Die Möglichkeiten, ins Ausland zu reisen und Europa zu erkunden, hatten sich Ende des 19. Jahrhunderts vervielfacht. Das Ehepaar Slott-Møller unternahm beispielsweise eine kombinierte Hochzeits- und Studienreise nach Italien, wo sie sich mit den religiösen Motiven der Frührenaissance beschäftigten. Künstler wie Giotto (1267–1337), Cimabue (1240–1302) und Fra Angelico (1387–1455) wurden zu ihren künstlerischen Vorbildern. Dieses Interesse teilten sie mit den englischen Präraffaeliten, ebenso wie sie sich auch von der englischen Arts-and-Craft-Bewegung (ca. 1880–1910) inspirieren ließen. Angeführt vom Kunstkritiker John Ruskin und dem Künstler William Morris war die Bewegung unter anderem eine Reaktion auf die zunehmende Industrialisierung in Großbritannien. Die Arts-and-Craft-Künstler legten Wert auf gutes Handwerk, ausgehend von der Überzeugung, dass die breite Bevölkerung Zugang zu schönen Dingen haben sollte. Die Kunst sollte in das Leben integriert werden.
Harald Slott-Møller: Drei Frauen. Sommerabend, 1895. Die Sammlung Hirschsprung.
Von rechts: die Ehefrau des Künstlers, Agnes, mit ihrer Tochter, Lykke, die Schwägerin des Künstlers, Agathe Rambusch, und das Dienstmädchen, Inger.
Von rechts: die Ehefrau des Künstlers, Agnes, mit ihrer Tochter, Lykke, die Schwägerin des Künstlers, Agathe Rambusch, und das Dienstmädchen, Inger.
Der spätere Teil der Sammlung Hirschsprung lädt mit den Symbolisten zu einer Reise in die Welt der Fantasie, der Sinnlichkeit und des Geheimnisvollen ein. Beachten Sie auch andere symbolistische Künstler in der Sammlung Hirschsprung, darunter L.A. Ring, Mogens Ballin und Ludvig Find.
Ludvig Find: Porträt des norwegischen Malers Thorvald Erichsen, 1897. Die Sammlung Hirschsprung.