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Vilhelm Hammershøi

Der Meister der Stille 


Hammershøis umstrittenes Debütwerk hing ursprünglich im Elternhaus des Künstlers an der Frederiksberg Allé, doch 1896 gelang es Heinrich Hirschsprung, das Werk von der Familie zu erwerben.
Vilhelm Hammershøi: Porträt eines jungen Mädchens. Die Schwester des Künstlers, Anna Hammershøi, 1885. Die Sammlung Hirschsprung.
Hammershøis umstrittenes Debütwerk hing ursprünglich im Elternhaus des Künstlers an der Frederiksberg Allé, doch 1896 gelang es Heinrich Hirschsprung, das Werk von der Familie zu erwerben.

Vilhelm Hammershøi: Porträt eines jungen Mädchens. Die Schwester des Künstlers, Anna Hammershøi, 1885. Die Sammlung Hirschsprung.
Die Sammlung Hirschsprung beherbergt heute eine der weltweit größten Sammlungen von Werken Vilhelm Hammershøis. Die Sammlung umfasst alles von Gemälden und Zeichnungen bis hin zu Briefen, Fotografien, Übungsheften und Sammelalben sowie die Malpalette des Künstlers und Möbel aus seinem Zuhause. 

Der größte Teil der Sammlung stammt aus der privaten Kunstsammlung der Museumsgründer, des Tabakfabrikanten Heinrich Hirschsprung und seiner Frau Pauline, sowie von der Familie Hammershøi, die dem Museum später weitere Werke, Möbel und Archivmaterial schenkte. 

Die Sammlung umfasst Werke aus den drei wichtigsten Motivgruppen im Schaffen von Hammershøi – Interieur, Landschaft und Porträt – von denen der Großteil in der für den Künstler charakteristischen, zurückhaltenden, monochromen Farbgebung ausgeführt ist, die sich aus Weiß-, Schwarz-, Grau- und Brauntönen zusammensetzt. 
Vilhelm Hammershøi:Schlafzimmer, 1890. Die Sammlung Hirschsprung.
Vilhelm Hammershøi:Schlafzimmer, 1890. Die Sammlung Hirschsprung.
Das Bild der Greisin war das erste Werk von Hammershøi, das Heinrich Hirschsprung für seine Sammlung kaufte. Es wurde 1888 direkt vom Künstler erworben.Vilhelm Hammershøi: Eine alte Frau, 1886. Die Sammlung Hirschsprung.
Das Bild der Greisin war das erste Werk von Hammershøi, das Heinrich Hirschsprung für seine Sammlung kaufte. Es wurde 1888 direkt vom Künstler erworben.

Vilhelm Hammershøi: Eine alte Frau, 1886. Die Sammlung Hirschsprung.

Die stille Schwester, die in der dänischen Kunst für Aufruhr sorgte

Die Hammershøi-Sammlung des Museums ist besonders reich an Hauptwerken aus den jungen Jahren des Künstlers. Im Mittelpunkt steht das Debütwerk Portræt af en ung pige (Porträt eines jungen Mädchens) aus dem Jahr 1885, das die jüngere Schwester Anna Hammershøi in Gedanken versunken zeigt. Mit diesem Werk hoffte der 21-jährige Hammershøi, den Neuhausenschen Preis bei der Ausstellung der Kunstakademie zu gewinnen, bei der die Aufgabe des Jahres lautete: „Porträt einer Dame. Kniestück, in Lebensgröße.“ 
Hammershøi hatte 1879 im Alter von 15 Jahren sein Studium an der Kunstakademie begonnen und erhielt ab 1883 parallel dazu Unterricht bei P.S. Krøyer an den Freien Studienschulen. Es war das erste Mal, dass er eines seiner Werke in Charlottenborg ausstellte, und das Porträt sollte sich als von großer Bedeutung erweisen – nicht nur für Hammershøis eigene Karriere, sondern auch für die dänische Kunst im weiteren Sinne. 
 
Als klar wurde, dass das Ausstellungskomitee der Akademie das unkonventionelle Porträt für den Preis nicht für würdig befunden hatte, sorgte dies unter Hammershøis Künstlerkollegen für großes Aufsehen. Aus Protest gegen die mangelnde Anerkennung seines Talents starteten sie eine Unterschriftenaktion, die den Anstoß zu einer Revolte gegen die Zensur bei der jährlichen Ausstellung der Kunstakademie gab. Diese Revolte sollte später zur Gründung der „Freien Ausstellung“ im Jahr 1891 führen. 
Empört über die Ablehnung von Hammershøis Debütbild verfasste Emil Hannover, der später der erste Direktor des Museums werden sollte, den Entwurf eines Protestschreibens. Die endgültige Fassung stammt jedoch vom Kunstkritiker und späteren Museumsdirektor Karl Madsen. Der Protest wurde von 41 Künstlern unterzeichnet, darunter P.S. Krøyer, Theodor Philipsen, L.A. Ring und Bertha Wegmann. Foto: Briefarchiv der Sammlung Hirschsprung.
Empört über die Ablehnung von Hammershøis Debütbild verfasste Emil Hannover, der später der erste Direktor des Museums werden sollte, den Entwurf eines Protestschreibens. Die endgültige Fassung stammt jedoch vom Kunstkritiker und späteren Museumsdirektor Karl Madsen. Der Protest wurde von 41 Künstlern unterzeichnet, darunter P.S. Krøyer, Theodor Philipsen, L.A. Ring und Bertha Wegmann. Foto: Briefarchiv der Sammlung Hirschsprung.

Maler der stillen Zimmer

Heute ist Hammershøi vor allem für seine Gemälde mit spärlich möblierten Innenräumen bekannt, die ihm den Beinamen „Maler der stillen Zimmer“ eingebracht haben. Im Laufe der Zeit wohnte er an sieben verschiedenen Orten in Kopenhagen, und diese Wohnungen dienten ihm sowohl als privates Zuhause als auch als Atelier und Hauptmotiv.

Hammershøis Interieurdarstellungen sind in der Regel menschenleer oder zeigen eine einzige Person, die ganz in das Lesen oder in alltägliche Tätigkeiten vertieft ist. Selbst erklärte der Künstler, der ansonsten mit Worten sparsam umging: 
Ich habe immer gefunden, dass ein solcher Raum eine ganz besondere Schönheit ausstrahlt, auch wenn sich niemand darin befand – vielleicht gerade dann, wenn niemand da war.
Vilhelms Bruder Svend Hammershøi, der selbst Künstler war, steht am Fenster in Hammershøis Wohnung und liest vor. Das Gemälde entstand, als Vilhelm Hammershøi und seine Frau Ida zur Miete in einem brandneuen Haus am Aaboulevarden wohnten. Das Paar mochte vor allem alte Häuser mit Geschichte und Patina, und so zogen sie nach etwa einem Jahr in die Strandgade 30 in Christianshavn, wo Hammershøi einige seiner bekanntesten Interieurbilder malte.Vilhelm Hammershøi: Interieur mit jungem Leser, 1898. Die Sammlung Hirschsprung. 
Vilhelms Bruder Svend Hammershøi, der selbst Künstler war, steht am Fenster in Hammershøis Wohnung und liest vor. Das Gemälde entstand, als Vilhelm Hammershøi und seine Frau Ida zur Miete in einem brandneuen Haus am Aaboulevarden wohnten. Das Paar mochte vor allem alte Häuser mit Geschichte und Patina, und so zogen sie nach etwa einem Jahr in die Strandgade 30 in Christianshavn, wo Hammershøi einige seiner bekanntesten Interieurbilder malte.

Vilhelm Hammershøi: Interieur mit jungem Leser, 1898. Die Sammlung Hirschsprung. 

Oft handelt es sich um streng komponierte und klar inszenierte Innenräume, in denen Möbel, Türen und Fenster in unendlichen Variationen und Kombinationen vorkommen. Gleichzeitig finden all die streng linearen Elemente ihren Gegenpol in der leicht verschwommenen, fast nebelartigen Maltechnik des Künstlers.